Denkfehler bei der Immobiliensuche

Foto Ratio vs. Emotio – oder wie man sich eine Immobilie „kaputtrechnet“

Ratio vs. Emotio – oder wie man sich eine Immobilie „kaputtrechnet“

Viele Kaufinteressenten nehmen zur Besichtigung einen Energieberater oder Handwerker mit, weil sie den baulichen Zustand selbst nicht einschätzen können. Grundsätzlich eine gute Idee – allerdings werden dabei häufig alle möglichen Sanierungsmaßnahmen aufgelistet: Dämmung, Fenster, Dach, Heizung, Wärmepumpe usw.
Das Problem: Aus möglichen Maßnahmen wird schnell ein vermeintlicher Sanierungsbedarf von 150.000 oder 200.000 €.
Diese Summe wird dann vom verfügbaren Kaufbudget abgezogen! Ein Haus, das beispielsweise 500.000 € wert ist, wird plötzlich nur noch mit 300.000 € kalkuliert. Das Ergebnis sind Gebote, die für den Verkäufer nicht akzeptabel sind.
Damit schwindet die Chance, überhaupt ein Haus zu bekommen.

Risiko: Chance auf's eigene Zuhause schwindet!

Kurz gesagt: Renovierungsbedarf ist bereits eingepreist und abgezogen. Nicht jede mögliche Sanierung muss vom Kaufpreis abgezogen werden.
Entscheidend ist, was tatsächlich notwendig ist (alte Heizung, undichtes Dach) und was sich wirtschaftlich rechnet. Die Amortisation kann oft Jahrzehnte dauern.

Was kostet eine Sanierung, wie viel spart sie tatsächlich ein – und wann hat sie sich wirtschaftlich gerechnet?

Denn nicht alles, was technisch möglich oder sinnvoll ist, muss sofort gemacht werden. Vieles kann man über die Jahre Schritt für Schritt erledigen – abhängig von Zustand, Dringlichkeit und Wirtschaftlichkeit.
Das Wichtigste bei einer Immobilie ist die Lage. Wände, Böden, Bäder, Fenster, Heizung oder die energetische Ausstattung kann man verändern. Die Lage, das Grundstück und das Umfeld dagegen nicht.
Wer deshalb eine Immobilie in guter Lage findet, sollte sich überlegen, ob wirklich die komplette Sanierung am ersten Tag notwendig ist. Vielleicht ist es sinnvoller, zunächst das Notwendigste zu machen und den Rest nach und nach zu modernisieren.
So spart man sich unter Umständen weitere Jahre Miete, baut gleichzeitig Eigentum auf, profitiert von den ständig wachsenden Bodenwert und kann die Immobilie Schritt für Schritt den eigenen Vorstellungen anpassen.

Eine mögliche Sanierung kann nicht vom Kaufpreis abgezogen werden

... denn sie führt logischerweise zur Wertsteigerung des Objekts. Entscheidend ist, was tatsächlich notwendig ist, was man sich gegenwärtig leisten kann und was sich wirtschaftlich rechnet.

Spätestens jetzt sollte man sich die Frage stellen, ob man sich durch eine theoretische Komplettsanierung nicht gerade die Chance auf das eigene Haus nimmt.

Die Lage kann man nicht renovieren. Das Haus schon.